Als ich im DruckZeug war

Ich kann ja nur Selfie. Entweder ich allein als Selfie. Oder mit Enkelin, dann macht sie das und ich steh immer hinten. Damit ich nicht das ganze Foto einnehme und Depressionen bekomme. Also heute kein Selfie. Heute mal Profi. Ich fliege extra deshalb nach Graz. Ein Profi fotografiert uns in einer „angesagten Location“ – würde man in Berlin sagen. Der Profi ist nicht allein. Es sind zwei Profis. Wolfgang und Juliane. Wir treffen uns alle am Dienstagvormittag in einer alten Druckerei im Annenviertel von Graz. Heute ein Verein. Der heißt „DruckZeug“. Und da stehen sie: Alte Druckmaschinen, schwarz und sehr mechanisch. An den Wänden zahllose Setzkästen mit Lettern in allen Varianten. Große Maschinen, kleine Maschinen, sogar eine Art Handapparat, mit dem man nur ein einzelnes Blatt per Hand „durchdrehen“ kann. Ist jetzt bestimmt nicht der richtige Begriff. Auf jeden Fall sieht es schwer „analog“ aus. Also eine „angesagte Location“. Mit steiler Holztreppe und einem gusseisernen Ofen, der geheizt ist. Denn es ist kalt. Uns empfängt Ana, die gute Seele des Vereins, zeigt und erklärt alles. Wir können uns vorstellen, wie das früher hier war. Und auch, wie es heute ist. Die Druckerei steht jedem offen, und wird vorwiegend von Künstlern genutzt, um ihre Werke zu drucken. Das sieht man überall an den Wänden.

Vor dem Fototermin holen mich Ivana und Stefan mit dem Auto aus meinem Hotel am Lendplatz ab. Viel zu früh. Mit halbnassen Haaren werfe ich mich ins Auto und denke: Ich werde grauenvoll aussehen. Ich bin nicht mehr in dem Alter, in dem uns nichts entstellt. Auf Fotos. Anita meint: Auf schwarz-weißen Fotos siehst Du eh immer gut aus. Mit „Du“ meint sie das unpersönliche „man“. Ich finde, dass ich farbig besser aussehe. Ok, wir machen heute Kunst. Oder besser: Unsere beiden Profis. Die haben ein Stativ und daran angeschlossen einen Laptop. Juliane hat vorher noch Puder und Pinsel. Weil wir alle ein bisschen glänzen. Denn jetzt sind die Porträts dran. Ich kann leider nur Selfie. Steht ein richtiger Fotograf vor mir, steh ich da, wie doof. Ich ziehe den Kopf ein, das Doppelkinn soll irgendwie weg. Was nicht gelingt. Ich muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Und hier zeigen wir wahrhaft „Gesicht“. Die Allianz zeigt ihre Gesichter. Einer nach dem anderen. Anita, Christian, Esther, Stefan, Michael, Ivana, Georg, Robert und ich. Wolfgang und Juliane leisten ganze Arbeit. Ich komme mir vor, wie auf einem „Set“, nur dass ich nicht frei wie ein Model bin, sondern… ach, ich lass das Jammern sein.

Dann Gruppenbilder. Wir wechseln die Standorte und Stockwerke, diskutieren an Tischen oder halten Plakate in die Luft. Oder machen ein Mindmap, ausgehend vom Begriff „Strategie“. Wolfgang, unser unermüdlicher Fotograf, wechselt ebenfalls die Standorte und steht zeitweise auf einer Leiter. Profi halt. Wir diskutieren über Taktik, List und Tücke und wechseln assoziativ zu österreichischen Gemüsebezeichnungen. Ein Mindmap halt. Ich erzähle, dass ich gestern im Hotel „Riesenknoblauch-Wiener“ bestellt habe und nicht zwei (Wiener) Würstchen bekam, sondern ein riesengroßes Schnitzel. Obwohl ich wahrhaftig nicht das erste Mal in Graz bin. Es passiert immer noch. Zwischendurch – in den Pausen – erklärt uns Ana vom DruckZeug-Verein, die auch Fotografin ist, alles über die Druckerei. Schön, dass wir hier sein dürfen, das schafft Erinnerung, inspiriert und bildet. Genau der richtige Ort, die Allianz der Erfahrung darzustellen. Hier trifft sich Altes und Neues. Handwerk, Erfahrung und Kunst. Beim Betrachten der entstandenen Bilder im Laptop finde ich: Alle sehen gut aus. Nur ich nicht. Ich muss mal wieder ein Beruhigungs-Selfie machen.

Text: Elisabeth Koeppe
Fotos: © Croce
Lokation: DruckZeug Graz

2018-11-19T10:41:02+00:00November 8th, 2018|Allianz-News, Elisabeth Koeppe|