Die Plattitüde. Sie wird neuerdings mit zwei T geschrieben. So passt sie fast noch besser zu mir. Und nun eine Plattitüde, also eine eher inhaltslose Redewendung, die wenig oder gar nichts über mich aussagt: Ich bin so hässlich. Das sagt etwas über mich aus? Dann formuliere ich um: Ich fühle mich so hässlich. So rauh. Voller knotiger Schuppen. Und da oben habe ich blasse rötliche Flecken. Wie soll ich mich da schön finden? Nun gut, ich habe mich soeben an menschlichen Maßstäben gemessen. Denn nur der Mensch kennt sie – die Plattitüde. Ich nicht. Ich kenne nur Asseln, Flohkrebse, Mollusken und Borstenwürmer. Die sind mein Lebenselixier. Und wenn ich in versüßten Wassern schwimme, dann Zuckmücken und Köcherfliegenlarven.

Ich fühl mich so hässlich. Vergrabe mich – im Grunde. Und wenn ich da so liege – geschützt in meiner Plattitüde – schau ich heraus. Zweiäuglein bin ich. Was an und für sich nichts Besonderes ist.

Zweiäuglein auf einer Seite. Äuglein, Äuglein Du musst wandern. Von der zukünftigen Blindseite auf die – Oberseite. Zwei auf der Oberseite. Nicht nur Plattitüde, sondern auch noch – Schieflage. Ach, ich bin so hässlich! Und doch oft besungen und verdichtet. Liegt es an meinem schiefen Maul? Oder an der Geschichte mit dem Pisspott, da oben im Norden? Ja, gut, ich hab da einen anderen Namen – immerhin hat der auch zwei T. Und verführte zu weiblichem Größenwahn. Aber hier – im Brandenburgischen – bleib ich die gute alte – blind auf der einen, braun auf der anderen – Seite. Wer mich am meisten liebt? Es sind – die Dänen. Die haben mich auch und ganz besonders – zum Fressen gern. Na, was bin ich?

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Gesendet im RBB Kulturradio am 13. Februar 2019,
von Elisabeth Koeppe.