Der Rest Übrigens bin ich nicht besonders traurig. Es wird mir nachgesagt – ja, das wird es – aber es stimmt nicht. Schließlich bin ich ja noch – da. Während im Großen und Ganzen Ebbe herrscht. Und Ebbe ist eben Ebbe. Und nicht Flut. Ich sitze hier und denke über kluge Sprüche nach. Zum Beispiel: „Die Ersten werden die Letzten sein“. Dann war ich wohl einstmals ein Erster. Was die Schlussfolgerung zulässt, dass ich jetzt womöglich der Letzte bin. Ich habe also die ganze Bandbreite des Daseins durchgemacht. Irgendwann ist es eben zu Ende.

Und ich sitze hier – in meinem winzigen Areal – und vielleicht schweige ich auch. Schweigen – heißt es – sei Gold. Und Schweigen ist, ist…tja, man überlege, was dieses mysteriöse Schweigen noch sein kann. Ein Überbleibsel aus sprachloser Zeit? Oder das, was zu Vollständigkeit und Abgeschlossenheit fehlt?

Tja, man gebe mir so etwas wie – mich. Was schwer zu verstehen ist, weil ich mich ja schon habe. Also bin ich großzügig – und vielleicht auch ein bisschen aggressiv – ich gebe jemand anderem – mich. Einfach mich. Mich Platzhalter bevor alles zu Ende geht. Insofern kann ich tröstlich sein. Es ist immer noch eine Mahlzeit möglich, wenn ich mich mit meinesgleichen zusammenschließe. Seid nicht traurig Menschen, DAS werde also ich übernehmen. Ja, es stimmt, ich bin sehr oft traurig. Und sinne über das Verschwinden nach. Das endgültige Verschwinden ist ein Akt, der schwer begreifbar ist. Um nicht zu sagen, überhaupt nicht begreifbar. Denn da ist ja nichts mehr. Und für diesen Griff ins Leere stelle ich mich zur Verfügung. Auf dass die Hand zwar keine Taube, aber diesen winzigen Spatz ergreifen möge. Und sei es der letzte Vogel auf dieser Welt. Alles vergangen und zerstört. Vielleicht steh ICH noch da… Lasst uns nichts mehr sagen. Na, was bin ich?

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Gesendet im RBB Kulturradio am 28. Mai 2019,
von Elisabeth Koeppe.